1. April 2020

Der Junggesellenabschied

Der Junggesellenabschied und Junggesellinnenabschied

Unser Junggesellenabschied ist aus einem englischen Brauch hervorgegangen. Früher war es dort Sitte, kurz vor der Heirat den Bräutigam nochmals auf Herz und Nieren zu überprüfen – ob er tatsächlich für die Ehe geeignet seih. Das Treffen fand im Haus des Brautvaters statt, wo der künftige Ehemann mit seinem Vater und anderen männlichen Familienangehörigen antrat – alle äußerst elegant gekleidet. Man schwang bedeutsame Reden, in denen man auf die wichtigsten Punkte des Ehelebens hinwies – für den Bräutigam wohl eine eher peinliche Situation.

Sehr stark abgewandelt, allerdings doch mit gewissen Ähnlichkeiten, hat sich vor diesem Hintergrund in Deutschland der Junggesellenabschied etabliert.
Die ältere Generation hat dabei allerdings nichts zu suchen – dieses Fest ist ausschließlich den Kumpels des Noch-Junggesellen vorbehalten, die übrigens auch alles organisieren. Damit wollen sie ihren Freund überraschen, was auch tatsächlich meist gelingt und nicht immer Freudensprünge verursacht.

Junggesellen-Party

Nur in Ausnahmefällen kommen die jungen Männer im eleganten Outfit zusammen; meist wird es ein sehr legeres Fest, bei dem der Alkohol in Strömen fließt. Es gibt sogar Gruppen, die ins osteuropäische Ausland reisen, weil das Bier dort erheblich günstiger ist.

Geblieben von der englischen Tradition ist jedoch die Frage, ob der Bräutigam für die Ehe geeignet ist. Dabei geben die Kumpels ihrem Freund allerdings keine weisen Ratschläge, sondern testen vorzugsweise seine Standhaftigkeit. Denn als Überraschungsgast ist eine attraktive Stripperin geladen, die den jungen Mann nach Kräften umgarnt.
Besonders infam ist es, wenn sie zu diesem vermeintlichen Spaß die Ex des Bräutigams überreden, an der sein Herz immer nach ein wenig hängt.

Auch die Braut feiert Abschied

Bei diesem Fest vor der Heirat bleiben die Männer meist an einem bestimmten Ort, also in dem Raum, den sie von Beginn an ausgewählt haben.
Dagegen sind die weiblichen Pendants weniger bodenständig. Denn im Zuge der Gleichberechtigung wollen auch die Freundinnen der Braut ihren Spaß haben. Sie schmücken sich mit witzigen Gegenständen, etwa mit einem Kopfputz aus blinkenden Teufelshörnern, und ziehen im ganzen Tross durch die Innenstädte, wobei ihr Augenmerk auf den Kneipen liegt.
Hier hat die Braut eine ganze Liste mit Aufgaben abzuarbeiten, etwa mit mindestens drei fremden Männern zu tanzen, fünfen einen roten Lippenstiftkuss auf die Wange zu drücken – dem Einfallsreichtum sind kaum Grenzen gesetzt.

Allerdings sollten alle, die dieses Fest gestalten, sich der möglichen Konsequenzen bewusst sein. Besonders deshalb, weil viele nach übermäßigem Alkoholkonsum nicht mehr Herr ihrer Sinne sind. Und es ist doch schade, wenn nach einem ursprünglich fröhlichen Jungesellenabschied am nächsten Tag der große Katzenjammer kommt.